Der Atem gilt im Yoga als Bindeglied zwischen Körper und Geist. Atemübungen, das sogenannte Pranayama, sind deshalb fester Bestandteil der Yogapraxis. Kapalabhati hat eine anregende und reinigende Wirkung und ist ideal, um fit und klar in den Tag zu starten.

Zeichnung von Lunge

1. Den Atemapparat reinigen – der Schleuderwaschgang für die Lunge

Kapalabathi ist eine Atemübung aus dem Yoga, bei der die Luft kraftvoll über die Nase ausgestoßen wird. Mit bewusster Atmung soll Prana, also Lebensenergie, im Körper nach oben zum Kopf geleitet werden.

Vielleicht hast du die Atemtechnik schon einmal unter dem Namen Feueratmung oder Schnellatmung gehört. Kapalabhati wird in den alten Schriften des Yoga als eine der sechs logischen Reinigungsübung beschrieben. Man könnte auch sagen, Kapalabhati ist das Schleuderwaschprogramm für die Lunge.

Normalerweise atmet ein Mensch im Durchschnitt 15-mal pro Minute. Bei Kapalabhati sind es 60 und bei Erfahrenen bis zu 120-mal (zwei Stöße pro Sekunde).

Bei der nasalen Stoßatmung wird mehr Kohlendioxid als üblich abgeatmet. Der dadurch geringere CO2 Gehalt im Blut kann dazu führen, dass du dich schwindelig fühlst – daher stammt wahrscheinlich auch der Name „scheinender Schädel“. Der Name stammt aus dem Sanskrit: Kaplan bedeutet ‚Schädel‘ und Bhati ‚scheinen/leuchten‘.

2. Die Wirkung von Kapalabhati

Kapalabhati wirkt sich in vielerlei Hinsicht positiv auf unseren Körper und Geist aus. Mit der Atemtechnik können wir unseren Atmungsapparat, aber auch Organe wie Leber, Milz und Pankreas, reinigen. Es verhilft uns außerdem zu mehr Energie, Wachheit und Gelassenheit.

Bei falscher Ernährung neigen wir dazu zu übersäuern. Mit Hilfe von Kapalabhati können wir den Körper wieder ins Gleichgewicht bringen. Durch ruckartiges nach-innen-Ziehen werden die Organe ausgedrückt und können sich darauf hin wieder entspannen – ein Detox Effekt entsteht. Kapalabhati sollte am besten auf leerem Magen geübt werden.

Vorteile von Kapalabhati im Überblick 

  • Die Atemmuskulatur wird aktiviert und gestärkt
  • Sorgt für Klarheit
  • Weckt den Organismus
  • Regt den Stoffwechsel an
  • Der Core wirkt aktiviert
  • Beruhigend
  • Basisch

3. Anleitung zu Kapalabhati

Wichtig ist, dass die Atmung nur aus dem Bauch kommt. Brustkorb und Schultern werden nicht involviert. Als Hilfestellung kannst du deine Hand auf deine Brust legen, um deine Bewegungen wahrzunehmen.

Begib dich in eine aufrechte Sitzposition. Am besten im Yogasitz, halben Lotus oder Schneidersitz. Achte darauf, dass die Wirbelsäule gerade und aufrecht ist. Der Scheitel zieht nach oben.

Konzentriere dich auf deine Atmung. Bringe nun deine Aufmerksamkeit in dein Bauch- bzw. Nabelzentrum. 

  1.  Atme vorbereitend tief und vollständig ein. Der Bauch füllt sich mit Luft.
  2.  Atme vollständig vorbereitend aus.
  3.  Atme bequem ein.
  4.  Beginne mit der nasalen Stoßatmung: Atme schnell durch die Nase aus. Ziehe dabei die Bauchdecke nach innen und nach oben. Achte darauf, dass nur die Bauchmuskeln arbeiten. Atme doppelt so langsam ein. Durch Entspannen des Zwerchfells bzw. der Bauchdecke wird Luft automatisch eingesogen. Du kannst dich am Sekundentakt orientieren. Wiederhole die Stoßatmung 20 – 50-mal, je nachdem was angenehm für dich ist.
  5.  Atme vollständig aus. Du kannst dich mit den Händen auf den Knien abstützen und leicht vorne über beugen.
  6.  Atme bequem ein und fülle die Lunge zu 3/4.
  7.  Halte die Luft an. Fokussieren den Punkt zwischen deinen Augen. Halte die Luft nur so lange an, wie es für dich angenehm ist.
  8.  Wiederhole diesen Vorgang 3x.

Spüre am Ende der Atemübung nach. Dein Atemrhythmus sollte jetzt ganz ruhig und gleichmäßig sein. 

4. Die beste Zeit Kapalabhati zu praktizieren

In der Yoga-Tradition nach Swami Svananda wird die Atemübung zu Beginn der Yogastunde nach der Entspannungsphase praktiziert.

Da die Technik den Kreislauf aktiviert, ist Kapalabhati eine sehr gute Morgenroutine. Nach drei Runden Kapalabhati fühlst du dich klarer, wacher und fit für den Tag.

5. Risiken: Für wen ist Kapalabhati nicht geeignet

Da schnelles Atmen die Herzfrequenz und den Blutdruck zusätzlich erhöht, ist Kapalabhati nicht für Menschen mit Bluthochdruck oder Herzproblemen geeignet. Außerdem ist Kapalabhati nicht geeignet, wenn du unter folgenden Beschwerden leidest:

– Augenprobleme
– Asthma
– Epilepsie
Sodbrennen/ Magengeschwüre

Im Zweifel solltest du vorher deinen Arzt konsultieren.

Falsch ausgeführt könnte das schelle Ein- und Ausatmen einer Hyperventilation gleichkommen. Es wird mehr Kohlenstoffdioxid als üblich ab- und Sauerstoff eingeatmet. Dadurch kann es zu einer Störung des Säure-Basen-Haushalts kommen. In der Theorie wären mögliche Folgen wären das Zusammenziehen von Gehirngefäßen, Muskelkrämpfen oder Bewusstlosigkeit. Diese Auswirkungen sind in ihrer Anzahl so gering, dass es keine Statistiken gibt. Wenn Kapalabhati richtig ausgeübt wird, ist es für gesunde Menschen im Allgemeinen ungefährlich.